Moderne Heizsysteme – nach welchen Kriterien wählen wir die Heizung?
Autor: Tóth Tamás · 5 Min. Lesezeit
Wärmepumpe oder Heizfolie? Zehn Kriterien nebeneinander – Aufheizen, Investition, Betrieb, Platzbedarf, Regelung, Wartung, Umweltwirkung, Wirkungsgrad und Einsatz – und bei welchem Haus welches System die bessere Wahl sein kann.
Zwischen Wärmepumpe und Heizfolie gibt es keinen allgemeinen Sieger: Die Wärmepumpe erzeugt dieselbe Wärmemenge mit weniger Strom und kann auch kühlen, die Heizfolie liefert dagegen mit geringerer Investition, kurzer Ausführung und ohne vorgeschriebene jährliche Wartung Strahlungswärme. Welche beim jeweiligen Haus sich lohnt, entscheiden die zehn folgenden Kriterien gemeinsam – wir gehen sie der Reihe nach durch, sachlich für beide Systeme.
Als Laie fällt es schwer, in einer Frage gut zu entscheiden, in der man nicht bewandert ist, dabei gilt ein Heizsystem für Jahrzehnte. Deshalb sehen wir uns zunächst kurz an, nach welchem Prinzip die beiden Systeme arbeiten, denn ein Großteil der Unterschiede folgt daraus.
Zwei unterschiedliche Funktionsprinzipien
Die Wärmepumpe: Umgebungswärme anheben
Die Wärmepumpe nimmt Energie aus einer Wärmequelle – Erdreich, Wasser oder Luft – auf und gibt sie an anderer Stelle bei der gewünschten Temperatur ab. Dasselbe Prinzip arbeitet auch im Haushaltskühlschrank, nur strömt dort die Wärme nach außen. Die Haushaltsgeräte sind meist Split-Systeme: Die Außeneinheit gewinnt die Wärme, die Inneneinheit gibt sie an die Wärmeabgabesysteme weiter. Je nach angeschlossenen Wärmeabgabesystemen kann das System heizen, kühlen und auch Brauchwarmwasser erzeugen.
Die Heizfolie: Strahlungswärme direkt aus Strom
Die Heizfolie ist ein dünnes, flexibles elektrisches Heizelement. Die Wärme erzeugt die in der Folie enthaltene Graphitpaste, die Leistung bestimmen Dichte und Zusammensetzung der Paste. Die Folie gibt langwellige, kein sichtbares Licht aussendende Infrarotstrahlung ab, die in erster Linie die Oberflächen im Raum und die Anwesenden erwärmt, nicht die Luft. Sie lässt sich in Boden, Wand und Decke gleichermaßen einbauen und wird daher im Einfamilienhaus, in der Wohnung und im Büro eingesetzt.
Zehn Kriterien für die Wahl
1. Aufheizgeschwindigkeit
Die Reaktionszeit bestimmt vor allem das Wärmeabgabesystem. Wasserführende Systeme – und jede in dicken Beton eingebaute Fußbodenheizung – erwärmen sich langsamer, weil sich zuerst das Wasser und die Konstruktion aufheizen müssen. Die Strahlungswärme der an Decke oder Wand montierten Heizfolie ist nach dem Einschalten schnell spürbar; liegt die Folie dagegen ebenfalls unter Beton, reagiert der Beton als Wärmespeicher langsamer, liefert aber gleichmäßigere Wärme.
2. Investitionskosten
Auch der Aufbau einer elektrischen Heizung kostet nicht nur Kleingeld, doch die Investition für die Heizfolie liegt in der Regel deutlich niedriger als die für die Wärmepumpe, bei der Außen- und Inneneinheit, Wärmeabgabesysteme und Montage zusammen den Preis ergeben. Eine konkrete Berechnung auf heutigem Preisniveau finden Sie im Kostenvergleich von Wärmepumpe und Infrarotheizung.
3. Betriebskosten
Hier ist die Wärmepumpe stärker: Sie gewinnt den größeren Teil der Wärme aus der Umgebung und kauft daher für dieselbe Wärmemenge weniger Strom ein. Die monatlichen Kosten der Heizfolie sind deshalb in der Regel höher, der Unterschied ist in einem gut gedämmten Haus mit niedrigem Wärmebedarf jedoch kleiner. Mit Photovoltaik lässt sich bei beiden Systemen der zugekaufte Strom senken; um wie viel, hängt von der Abrechnungsart und vom Eigenverbrauch ab – dazu lesen Sie auf unserer Photovoltaik-Seite.
4. Platzbedarf
Die Wärmepumpe hat Außen- und Inneneinheit, und die Haustechnik braucht oft einen eigenen Platz. Die Heizfolie bleibt im Boden, in der Wand oder in der Decke verborgen, und auch kein Heizkörper belegt die Wandfläche.
5. Regelbarkeit
Beide Systeme sind gut regelbar, der Unterschied liegt in der Aufteilung. Bei der Heizfolie kann je Raum ein eigener Thermostat die Heizung steuern, in der WLAN-Variante sogar per Smartphone, sodass nur dort Strom verbraucht wird, wo geheizt werden muss. Auch die Aufteilung eines Wärmepumpensystems in Zonen ist möglich, erfordert aber Planung und haustechnische Komponenten.
6. Wartung
Die Wärmepumpe ist ein komplexes haustechnisches System und verlangt eine regelmäßige, von Fachleuten durchgeführte Kontrolle und Wartung – die Kosten dafür sollten Sie zusammen mit dem Angebot erfragen. In der Heizfolie gibt es keine beweglichen Teile, und eine jährliche Wartung ist nicht nötig.
7. Umweltwirkung
Keines der Systeme verbrennt im Haus Brennstoff. Der Umweltvorteil der Wärmepumpe ist, dass der größere Teil der abgegebenen Wärme erneuerbare Umgebungswärme ist. Die Umweltbelastung der Heizfolie hängt von der Erzeugung des verbrauchten Stroms ab, die eine eigene Photovoltaikanlage verringern kann. Da die Folie nicht durch Luftumwälzung heizt, wirbelt sie weniger Staub auf.
8. Wirkungsgrad und Wärmeverlust
Die Heizfolie wandelt 99 % des aufgenommenen Stroms in Wärme um, direkt im beheizten Raum – das gilt für jede direkte elektrische Heizung, und auch in Verteilleitungen geht keine Wärme verloren. Die Wärmepumpe ist mit einem anderen Maß zu messen: Sie wandelt den Strom nicht in Wärme um, sondern hebt Umgebungswärme an, weshalb sie aus einer Einheit Strom mehr Wärme abgibt, als sie Strom aufnimmt.
9. Einsatzmöglichkeiten
Der große Vorteil der Wärmepumpe ist, dass sie neben dem Heizen auch kühlen und Warmwasser bereiten kann – bei der Heizfolie müssen Sommerkühlung und Warmwasser separat gelöst werden. Die Heizfolie passt sich den Gegebenheiten des Raums an: Je nach Belag und Raumhöhe lässt sie sich für Boden, Wand oder Decke planen.
10. Flexibilität bei der Ausführung
Verglichen werden eine dünne Folie und ein schweres, fest installiertes haustechnisches Gerät: Der Einbau der Heizfolie ist einfacher und schneller, und sie lässt sich nachträglich raumweise erweitern. Die Installation der Wärmepumpe erfordert wegen der Platzierung der Außeneinheit, der Rohrleitungen und der Wärmeabgabesysteme mehr Planung.
Zusammenfassende Tabelle
| Kriterium | Wärmepumpe | Heizfolie |
|---|---|---|
| Investition | höher | in der Regel deutlich niedriger |
| Betrieb | weniger Strom für dieselbe Wärme | mehr Strom, mit Photovoltaik verringerbar |
| Wartung | regelmäßig, durch Fachleute | keine jährliche Wartung |
| Platzbedarf | Außen- und Inneneinheit | verborgen in der Konstruktion |
| Kühlung, Warmwasser | möglich | separat zu lösen |
| Regelung | Zonierung mit Planung | Thermostat je Raum |
Bei welchem Haus ist welches besser?
Die Wärmepumpe zeigt ihren Vorteil dort, wo der Heizbedarf hoch ist, Sommerkühlung und Warmwasserbereitung wichtig sind und sich die höhere Investition über den niedrigeren Stromverbrauch in längerer Zeit amortisiert. Die Heizfolie ist dort stark, wo das Haus gut gedämmt ist und einen niedrigen Wärmebedarf hat, wo geringe Investition, schnelle Ausführung und raumweise Regelung wichtig sind. Zu Funktion und Installationsbedingungen der beiden Systeme schreiben wir im Vergleich von Heizfolie und Wärmepumpe, zur Ausführung bei einem konkreten Neubau in der Fallstudie Wärmepumpe oder Heizfilm. Die weiteren elektrischen Heizarten vergleicht unsere Seite zur elektrischen Heizung.
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